Bandscheibenvorfall – OP notwendig oder reine Geldmacherei?

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Rückenschmerz gilt zwischenzeitlich als Volkskrankheit Nr. 2. Fast jeder von uns hatte schon einmal ziehende, stechende oder krampfende Schmerzen im Bereich des Rückens, sei es der Nacken- oder der Lendenbereich. Doch wann weiß ich, ob meine Bandscheibe dabei betroffen ist und was genau dann zu tun ist?

Zum allgemeinen Verständnis sollte man zunächst einmal wissen, dass die Wirbelsäule sich in 3 Bereiche unterteilt:
Halswirbelsäule (bestehend aus 7 Wirbelkörpern, mit C für „cervikal“ abgekürzt)
Brustwirbelsäule (bestehend aus 12 Wirbelkörpern, mit T oder Th für „thorakal“ abgekürzt)
Lendenwirbelsäule (bestehend aus 5 Wirbelkörpern, mit L für „lumbal“ abgekürzt)

Außerdem folgt noch das Kreuzbein, welches aus 5 „Sakralwirbeln“ (Abkürzung „S“) besteht. Dies sind verwachsene und verschmolzene Wirbelkörper, den Abschluss bildet das Steißbein. DSC_0090

Zwischen zwei knöchernen Wirbelkörpern befindet sich jeweils eine Bandscheibe. Dieses ist eine flexible Verbindung, die aus Faserknorpel besteht, dadurch besitzt es die Eigenschaft ein guter Stoßdämpfer zu sein.

Wir finden – ebenfalls zwischen zwei Wirbelkörpern – eine Nervenwurzel mit zwei Nervenästen. Ein Ast verlässt die Wirbelsäule nach rechts, der Andere nach links. Damit diese äußerst sensiblen Nervenfasern keinen zu großen Druck abbekommen, liegen sie in sogenannten „Spinalkanälen“ und sind dort geschützt. Diese Nerven kann man sich als Stromkabel vorstellen. Dort sollte im besten Fall nichts Schweres aufliegen, denn dann lässt die “Stromversorgung” nach.

Unsere Bandscheiben dienen somit als Abstandshalter, damit die Kanäle, in denen die Nerven liegen, immer die gleiche Höhe beibehalte, von jeglichem Druck befreit bleiben und die Wirbelkörper nicht aufeinander liegen.

Was ist aber nun genau ein Bandscheibenvorfall? – Zur Abwechslung sämtlicher Artikel im Internet, die das selbe Themen bearbeiten, versuche ich es mit verständlichen und vorstellbaren Worten zu erklären:

Stellt euch vor, die Bandscheibe ist eine Scheibe, die zwischen den Wirbelkörpern liegt. Diese Scheibe mit einer zähflüssigen Masse ist aufgepumpt, so dass sie auf Druck und Zug mit entsprechender Stoßdämpferfunktion reagiert, ohne Schaden zu nehmen. In dieser Scheibe befindet sich nochmals ein kreisrunder Kern, der hauptsächlich mit Wasser gefüllt ist.
Was passiert, wenn diese Bereiche nicht mehr funktionieren und kaputt gehen?
Einfach gesagt, kommt es zu zwei verschiedenen Pathologien:

  • Möglichkeit 1: Die Bandscheiben Vorwölbung (Protrusion)
    Die Bandscheibe verliert an Höhe, weil sich Risse im Inneren bilden. Die äußere Hülle der Scheibe ist aber noch geschlossen, somit kann keine Flüssigkeit nach außen gelangen. In diese Risse verlagert sich Wasser aus dem Bandscheibenkern, dies löst anfangs Schmerzen aus (=Akutphase). Dadurch ist der Stoßdämpfer nicht mehr so zuverlässig und stabil und lässt vermehrte Bewegungen zu, die nicht der Wirbelsäulenachse entsprechen. Die Muskulatur, die sich umliegend befindet muss nun vermehrte Arbeit leisten, um weitere Schäden zu vermeiden und ist dadurch schnell überfordert und verkrampft sich.

 

  • Möglichkeit 2: Der Bandscheiben Vorfall (Prolaps)
    Der Druck im Inneren der Bandscheibe ist zu groß, so das die äußere Hülle nicht mehr standhalten kann und aufreißt. Dadurch gelangt die Flüssigkeit aus dem Kern der Bandscheibe nach außen. Diese Flüssigkeit drückt dann auf das Rückenmark, unseren Hauptnervenstrang und sorgt in den häufigsten Fällen für massive Schmerzen, meistens vor allem in aufrechter Körperhaltung, die oft gar nicht mehr möglich ist; sowie ausstrahlende Nervenschmerzen bis hin zu Taubheitsgefühlen in ein oder beide Beine (bei der Halswirbelsäule sind es die Arme und Hände).

 

Woran erkenne ich ob ich einen Bandscheibenvorfall habe?

Es gibt ein paar Symptome die dafür sprechen, dass du an einem Bandscheibenvorfall leidest. Das wichtigste Ausschlusskriterium hierfür bleibt aber ein bildgebendes Verfahren, die Kernspintomographie (MRT). Hier werden die Bandscheiben sowie die Wirbelsäule genauestens dargestellt und festgestellt, ob die Hülle der Bandscheibe wirklich gerissen oder noch intakt ist.

Eine erste Idee des Ausmaßes bekommst du durch folgende Symptome:

Vorfall:  

              – starke Schmerzen                     

              – kaum Bewegung möglich                                               

              – v.a. Streckung stark schmerzhaft                   

              – Ausstrahlungen in ein oder beide Beine bzw. Arme bei HWS                                           

              – ggf. Taubheit und Kribbeln im Fuß oder Bein bzw. Arm oder Hand bei HWS

 

 

Vorwölbung:

                – Morgendlicher Schmerz

                   – nächtliches Aufwachen wegen starker Rückenschmerzen

                  – Rückenschmerz nach kurzem Sitzen

                – Schmerzfreie Zeit im Sitz verkürzt sich deutlich

                – deutlich verringerte Belastbarkeit

                – häufig Ausstrahlungen in ein oder beide Beine bzw. Arm bei HWS

 

Kommen wir nun zu der wichtigsten Frage: Muss ein Bandscheibenvorfall wirklich operiert werden?

Die Panik bei einem Vorfall ist immer größer als sie letztendlich sein sollte, denn eine OP ist zu 90% nicht notwendig. Ein Vorfall tut zwar weh, aber die Schmerzen können vollständig wieder abklingen, wenn die akute Schmerzphase erst einmal überwunden ist und die austretende Flüssigkeit den Nerv nicht mehr reizt.
Es gibt wenige Ausnahmen in denen eine Operation zwingend erforderlich ist.

  • Es entsteht ein dauerhaftes Taubheitsgefühl im Bein oder Arm
  • Die Funktion des Beines oder Armes kann nicht mehr ausgeführt werden, d.h. der Körperabschnitt lässt sich beispielsweise nicht mehr heben
  • Die Organfunktionen sind beeinträchtigt, z.B. Miktionsstörungen (=Blasenentleerungsstörungen, unwillkürlicher Harnverlust)

Achtung! In diesen drei Fällen ist eine Operation dringend erforderlich und man sollte keine Zeit verlieren, denn jede Minute zählt!

In allen anderen Fällen bekommt man einen Bandscheibenvorfall mit konservativer Therapie (Physiotherapie, Rehamaßnahmen und gezieltes Training) meistens problemlos wieder in den Griff.

Der einzige Nachteil: Die Stabilität in dem betroffenen Segment der Wirbelsäule wird wahrscheinlich eine Schwachstelle bleiben und bedarf konsequentem, dauerhaftem Stabilitäts- und Kraftaufbautraining.

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